Anders als erwartet (Teil 2)

Die Sommertage wurden immer heißer und die Menschen strömten in die Baumärkte, um sich mit Ventilatoren und Klimaanlagen irgendwie Linderung zu verschaffen. Das ganze Land wurde von einer nicht enden wollenden Hitzewelle überrollt.

Ich hatte endlich so etwas wie Urlaub, auch wenn ich zu hause saß - es war herrlich. Einfach mal die Füße hochlegen und Dinge tun, für die man sonst keine Zeit hat. Ein Buch lesen, Computer spielen, durch die Stadt bummeln..
Dann kam eine Nachricht auf Whatsapp.

Der neue Arbeitskollege hatte Fragen. Er war mit seiner Familie irgendwo in Deutschland unterwegs im Familienurlaub und machte sich Gedanken über den neuen Job.
Naja - ist doch alles super. Ich mag Menschen, die engagiert bei der Sache sind.
Also habe ich geantwortet, ihm vieles erklärt, Fragen beantwortet, Hintergründe erläutert und Tips gegeben.
Von einem gelegentlichen Nachrichtenaustausch wurde daraus binnen weniger Tage ein reger Schriftwechsel und man philosophierte eifrig über die Firma und die Jobs, die Zukunft und die kommenden Projekte.
Klar - das hat viel Spaß gemacht zumal ich wirklich dankbar bin, wenn sich Kollegen wirklich reinhängen in ein kommendes, gemeinsames Projekt.
Ich hab die Gespräche genossen, Bilder geschickt von vergangenen Projekten, erzählt und erzählt und die Fragen wurden immer mehr und immer häufiger.

Klar - ein Teil von mir war skeptisch.
Warum hat er im Familienurlaub so viel Zeit zu schreiben?
Auch Bilder hat er geschickt - von seiner Frau und seinen Kindern.. hach wie süß.
Was für ein netter Mensch und Familienvater.
Also fing man auch an über die Kinder zu reden und über privatere Dinge, nicht viel, nicht tief, aber es war lustig und man hatte eine Menge Spaß.
Keine Gefahr im Verzug - bei Gott, ich lege von meiner Seite aus beide Hände dafür ins Feuer, dass ich nicht im Ansatz einen dunklen Gedanken an irgendetwas hatte, was "unrecht" gewesen wäre.

Mein Eindruck dieses Mannes war von Anfang an: "Ein Mann, ein Wort" - ich war mir sicher, dass er weiß, was er will und dass er vollkommen gefestigt in seinem Leben steht.

Dann war der Familienurlaub vorbei und er kam wieder bei sich zu hause an, einer Stadt, die ca 80 km von mir entfernt liegt. Noch ein freies Wochenende und dann begann für ihn die Arbeit (der "normale" Job - das gemeinsame Projekt sollte ja erst im kommenden Jahr im Sommer starten).

Montags morgens schrieb er und dann - kam die erste Voice-Mail.
Er meinte, so wäre es einfacher als das ständige Getippe.
Ich musste grinsen.
Meiner eigenen, höchst pubertierenden Tochter, hatte ich eine lange Ansprache gehalten, weil ich Voice-Mails total überflüssig fand aber hey.. Dinge ändern sich, also antwortete ich entsprechend und wir verloren uns in endlosen Gesprächen über Gott und die Welt.

Als das erste mal der Satz viel "Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht, wie mit dir." hätte ich misstrauisch werden sollen.
Was war ich blöd... meine Güte.
Aber es war alles so herrlich unbeschwert. Wir verstanden uns blind und hatten unglaublich viel zu lachen und alles, worüber wir sprachen, waren vollkommen "ungefährliche" Dinge.
Wir sprachen hauptsächlich über das Projekt, tauschten Ideen aus, lachten, erzählten lustige Anekdoten aus unserem Leben, er schickte immer wieder Fotos seiner Kleinsten, die ich schrecklich süß fand und alles war schön..

Der Sturm war für mich immer noch nicht absehbar...

31.12.15 10:58

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen